Das Wichtigste vorab
- Ab dem 1. Januar 2027 löst das Altersvorsorgedepot die Riester-Rente für Neuabschlüsse ab. Du wählst dabei zwischen drei Varianten: ohne Garantie, Standarddepot oder mit 80 oder 100 Prozent Beitragsgarantie.
- Eine Garantie sichert dir zum Rentenbeginn 80 oder 100 Prozent deiner Einzahlungen. Der Anbieter muss dafür defensiver anlegen, was langfristig deine Rendite senken kann.
- Die staatliche Förderung ist bei allen drei Varianten gleich. Die Garantiefrage betrifft nur die Sicherheit der Anlagen.
- Bestehende Riester-Verträge bleiben geschützt. Ein Wechsel ins neue System ist freiwillig, du kannst jedoch auch den bestehenden Vertrag weiterführen.
Beim Altersvorsorgedepot kannst du wählen, ob du es mit oder ohne Garantie abschließt. Eine Garantie klingt erstmal beruhigend, weil sie deine eingezahlten Beiträge absichert. Sie hat aber auch eine Kehrseite. Ob sie sich für dich lohnt, hängt von deiner persönlichen Situation ab. Dieser Artikel zeigt dir, was die Garantie bringt, was sie kostet und für wen sie sinnvoll ist.
Was ist ein Altersvorsorgedepot und wie funktioniert es?
Das Altersvorsorgedepot ist ein staatlich geförderter Vertrag für die Altersvorsorge, bei dem dein Geld in Fonds und ETFs angelegt wird. Es ist kein normales Wertpapierdepot wie bei einer Bank oder einem Neobroker.
Der wichtigste Unterschied ist die staatliche Förderung: Du bekommst Zulagen und Steuervorteile obendrauf, die deine Rendite deutlich erhöhen. Ein normales Depot hat diese Förderung nicht.
Welche drei Produktvarianten gibt es beim Altersvorsorgedepot?
Ab 2027 hast du die Wahl zwischen 3 Varianten:
- Das Altersvorsorgedepot ohne Garantie setzt voll auf den Kapitalmarkt. Es gibt kein Sicherheitsnetz, dafür die höchsten Renditechancen. Dein gesamtes Kapital kann frei in ETFs und Co. fließen.
- Das Standarddepot ist die einfache, regulierte Variante mit 2 festen Fonds, einem chancenorientierten und einem sicheren. Je näher der Ruhestand rückt, desto mehr wird automatisch in den sicheren Teil umgeschichtet. Die Kosten sind gesetzlich gedeckelt.
- Das Garantieprodukt sichert dir zum Rentenbeginn mindestens 80 oder 100 Prozent deiner Einzahlungen inklusive Zulagen zu. Dafür sind die Renditechancen entsprechend geringer.
Wie unterscheiden sich Altersvorsorgedepot, Standarddepot und Garantieprodukt?
Welche Garantien bietet das Garantieprodukt?
Eine Garantie ist nicht kostenlos, sie muss vom Anbieter erwirtschaftet werden. Damit zum Rentenbeginn der garantierte Betrag sicher da ist, muss ein Teil deines Geldes dauerhaft in besonders sichere, aber renditeschwache Anlagen fließen, etwa in Anleihen. Nur der Rest – wenn keine 100‑%‑Garantie besteht – darf chancenorientiert in Aktienfonds investiert werden. Je höher die Garantie, desto größer ist der sichere Block und desto kleiner der chancenorientierte Teil.
Was das über die Jahre ausmacht, zeigt ein einfaches Rechenbeispiel. Nehmen wir an, du zahlst 600 Euro im Jahr ein, Zulagen mitgerechnet, und das über 30 Jahre.
Insgesamt fließen so 18.000 Euro ins Depot. Entscheidend ist jetzt, wie viel davon am Aktienmarkt arbeiten darf:
- Mit 100-Prozent-Garantie ist viel Kapital sicher gebunden, die Rendite liegt vielleicht bei 2 Prozent im Jahr. Ergebnis nach 30 Jahren: rund 24.300 Euro.
- Mit 80-Prozent-Garantie darf mehr in Aktien fließen, sagen wir 3,5 Prozent im Jahr. Ergebnis: rund 31.000 Euro.
- Ohne Garantie kann das Geld voll in Aktien-ETFs arbeiten, langfristig etwa 7 Prozent im Jahr. Ergebnis: rund 56.700 Euro.
Genau hier liegt der Preis der Sicherheit: Je mehr Kapital fest im sicheren Teil gebunden ist, desto weniger arbeitet für dich am Aktienmarkt. Über lange Zeiträume kostet das spürbar Rendite.
Wie ist mein Geld bei einer Insolvenz des Anbieters geschützt?
Das hängt davon ab, welche Produktvariante du wählst. Beim Altersvorsorgedepot und beim Standarddepot liegt dein Geld in Fonds und ETFs, die als Sondervermögen gelten. Sie gehören rechtlich dir und sind bei einer Insolvenz des Anbieters geschützt, weil sie nicht in die Insolvenzmasse fallen. Du kannst dein Depot dann einfach auf einen anderen Anbieter übertragen.
Bei einem Garantieprodukt im Versicherungsmantel greift zusätzlich die Sicherungseinrichtung der Lebensversicherer. Wird ein Versicherer zahlungsunfähig, werden die Verträge übernommen und fortgeführt.
Wie wirkt sich die Garantie auf die Geldanlage in meinem Altersvorsorgedepot aus?
Eine Garantie ist nicht kostenlos, sie muss vom Anbieter erwirtschaftet werden. Damit zum Rentenbeginn der garantierte Betrag sicher da ist, muss ein Teil deines Geldes dauerhaft in besonders sichere, aber renditeschwache Anlagen fließen, etwa in Anleihen. Nur der Rest darf chancenorientiert in Aktienfonds investiert werden.
Je höher die Garantie, desto größer ist der sichere Block und desto kleiner der chancenorientierte Teil. Bei einer 100-Prozent-Garantie bleibt oft nur wenig Spielraum für Aktien, weil schon eine stärkere Kurskorrektur den garantierten Betrag gefährden würde. Bei einer 80-Prozent-Garantie ist der Puffer größer. Dadurch kann mehr Geld in Aktienfonds fließen und die Renditechancen steigen moderat, aber spürbar.
Garantie oder keine Garantie – was passt zu dir?
Die Entscheidung für oder gegen eine Garantie ist eine Frage des Anlagehorizonts, der finanziellen Gesamtsituation und der persönlichen Risikobereitschaft.
Für wen ist ein Garantieprodukt beim Altersvorsorgedepot sinnvoll?
Ein Garantieprodukt ist sinnvoll, wenn du ein starkes Sicherheitsbedürfnis hast und nominale Verluste auf Einzahlungen als untragbar empfindest. Eine Garantie passt in diesen Situationen:
- Du stehst kurz vor dem Renteneintritt und hast wenig Zeit, Marktverluste aufzuholen. Deine Ruhestandsplanung hängt von einem Mindestbetrag ab.
- Du hast keine nennenswerten anderen Vermögenswerte als Puffer. Ein Verlust im Altersvorsorgevertrag würde deine Existenz im Alter gefährden.
- Du hast schlechte Börsenerfahrungen gemacht und würdest ohne feste Zusage gar keinen Vertrag abschließen. Eine Garantie ist dann immer noch besser als gar keine Vorsorge.
Wann verzichtest du besser auf die Garantie?
Auf die Garantie zu verzichten, lohnt sich vor allem, wenn noch 20 bis 40 Jahre bis zur Rente verbleiben. Über solche Zeiträume haben die globalen Aktienmärkte historisch gesehen Verluste zuverlässig ausgeglichen – und deutlich mehr Ertrag geliefert als defensive Anlagestrategien.
Wer zusätzlich über eine stabile Einkommenssituation verfügt oder andere Vermögenswerte besitzt, braucht die Garantie als Sicherheitsnetz schlicht nicht.
Welche staatliche Förderung bekommst du beim Altersvorsorgedepot?
Die Förderung ist bei allen 3 Produktvarianten identisch. Ob Garantieprodukt, Altersvorsorgedepot ohne Garantie oder Standarddepot: Zulagen und Steuervorteile bleiben gleich.
Wie hoch ist die Grundzulage im AV-Depot?
Die Grundzulage ist beitragsproportional: Je mehr du einzahlst, desto mehr legt der Staat drauf. Das Prinzip ist bewusst einfach gehalten: Die Grundzulage hängt nur vom Eigenbeitrag ab, nicht vom Einkommen.
Welche Kinderzulagen gibt es für dein Altersvorsorgedepot?
Für jedes kindergeldberechtigte Kind gibt es zusätzlich eine Kinderzulage von bis zu 300 Euro im Jahr. Sie funktioniert als 1:1-Matching auf deinen Eigenbeitrag, das heißt, für die vollen 300 Euro musst du pro Kind mindestens 300 Euro selbst einzahlen. Bereits mit 25 Euro pro Monat und Kind schöpfst du die volle Kinderzulage aus.
Zur Veranschaulichung: Tim hat zwei Kinder und zahlt 1.800 Euro pro Jahr ein. Er erhält die volle Grundzulage von 540 Euro plus zweimal 300 Euro Kinderzulage, also 600 Euro. Zusammen fließen 1.140 Euro staatliche Förderung pro Jahr zusätzlich in seinen Vertrag. Die Förderquote auf seinen Eigenbeitrag liegt damit bei 63 Prozent. Familien mit mehreren Kindern profitieren überproportional stark.
Bekommst du als Berufseinsteiger einen Extra-Bonus?
Ja. Wer vor dem 25. Geburtstag einen Altersvorsorgevertrag abschließt, bekommt einmalig 200 Euro Berufseinsteigerbonus, direkt ins Depot, wo der Betrag über Jahrzehnte steuerfrei mitwachsen kann. Der Bonus kommt zusätzlich zur regulären Grundzulage und soll ein Anreiz sein, früh mit der Altersvorsorge zu beginnen.
Wie funktioniert die steuerliche Förderung über den Sonderausgabenabzug?
Beiträge zum Altersvorsorgevertrag sind als Sonderausgaben steuerlich abziehbar, sie mindern also dein zu versteuerndes Einkommen. Das reduziert deine Steuerlast zusätzlich zur Zulage. Während der Ansparphase bleiben alle Erträge im Vertrag steuerfrei: keine Abgeltungsteuer, keine Vorabpauschale, keine Steuer auf Umschichtungen.
Für den ungeförderten Anteil, also Einzahlungen über 1.800 Euro bis maximal 6.840 Euro pro Jahr, gelten in der Auszahlungsphase besondere Regeln: Bei einer lebenslangen Rente wird nur der niedrige Ertragsanteil besteuert. Bei einer Einmalauszahlung nach mindestens zwölf Jahren Laufzeit und ab dem 62. Lebensjahr kommt das Halbeinkünfteverfahren zum Tragen, dann ist die Hälfte der Erträge steuerpflichtig.
Was bedeutet die Günstigerprüfung beim Finanzamt?
Wer ist förderberechtigt für ein Altersvorsorgedepot mit Garantie?
Der Kreis der Förderberechtigten für 2027 ist deutlich breiter als beim alten Riester-System – unabhängig davon, welche Produktvariante du wählst.
Welche Berufsgruppen haben Anspruch auf Förderung?
Unmittelbar förderberechtigt ist ein breiter Personenkreis. Dazu gehören:
- Arbeitnehmer und Auszubildende
- Minijobber, die nicht von der Rentenversicherungspflicht befreit sind
- Beamte, Richter und Soldaten
- Selbstständige und Freiberufler mit Einkünften nach § 15 oder § 18 EStG
- Pflichtversicherte in einem berufsständischen Versorgungswerk, etwa Ärzte, Apotheker oder Anwälte
- Menschen in Kindererziehungszeiten sowie Bezieher von Lohnersatzleistungen wie Kranken-, Arbeitslosen- oder Übergangsgeld
- Leistende eines Freiwilligen Sozialen oder Ökologischen Jahres oder des Bundesfreiwilligendienstes
Kann dein Ehepartner auch gefördert werden?
Ja, über die mittelbare Förderberechtigung. Wenn dein Ehepartner nicht selbst unmittelbar förderberechtigt ist, kann er oder sie trotzdem einen eigenen Altersvorsorgevertrag abschließen und eine Grundzulage erhalten – vorausgesetzt, du als unmittelbar berechtigter Partner hast ebenfalls einen Vertrag und besparst ihn. Die Grundzulage für mittelbar Berechtigte beträgt höchstens 175 € pro Jahr, der Mindesteigenbeitrag liegt bei 120 € jährlich.
Wie werden Selbstständige beim Altersvorsorgedepot gefördert?
Selbstständige mit Einkünften aus Gewerbebetrieb oder selbstständiger Arbeit erhalten ab 2027 dieselbe beitragsproportionale Förderung wie Arbeitnehmer, also gleiche Grundzulage, gleiche Kinderzulagen und denselben Sonderausgabenabzug. Die entscheidende Neuerung: Anders als bei Riester sind sie unmittelbar förderberechtigt, sobald sie ihre Einkünfte in der Steuererklärung angeben, und zwar unabhängig davon, ob sie in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Bisher blieb den meisten Selbstständigen nur der Umweg über einen förderberechtigten Ehepartner.
Wie viel solltest du in dein Altersvorsorgedepot einzahlen?
Die Höhe der Einzahlungen bestimmt direkt die Höhe der Förderung. Das neue System belohnt jeden eingezahlten Euro – bis zu einer Obergrenze.
Welcher Mindestbeitrag ist für die volle Förderung nötig?
Die wichtigsten Beitragsgrenzen im Überblick:
- Der Mindestbeitrag für die Zulagenberechtigung liegt bei 120 € pro Jahr – also 10 € im Monat. Darunter gibt es keine Zulage.
- Die maximale Grundzulage erreichst du mit 1.800 € Eigenbeitrag pro Jahr, also 150 € monatlich.
- Die volle Kinderzulage von 300 € pro Kind erreichst du bereits mit 300 € Eigenbeitrag pro Kind und Jahr.
Lohnt es sich, mehr als 1.800 Euro jährlich einzuzahlen?
Bis zu 6.840 Euro pro Jahr können eingezahlt werden. Über 1.800 Euro hinaus gibt es aber weder zusätzliche Zulagen noch einen weiteren Sonderausgabenabzug, denn beide Förderungen sind auf den Eigenbeitrag bis 1.800 Euro plus Zulagen begrenzt. Was für den ungeförderten Teil bleibt, ist das steuerfreie Wachstum im Depot und die günstigere Besteuerung in der Auszahlphase, bei der nur die Gewinne und diese begünstigt besteuert werden.
Kannst du mehrere Altersvorsorgedepots parallel besparen?
Bis zu 2 Altersvorsorgeverträge können gleichzeitig bespart werden, ab dem dritten Vertrag entfällt die Förderung. Wichtig ist die Unterscheidung zweier Grenzen: Die maximale Einzahlung von 6.840 Euro gilt pro Vertrag. Bei zwei Verträgen kannst du also bis zu 13.680 Euro im Jahr einzahlen.
Was kostet ein Altersvorsorgedepot mit Garantie?
Die Kosten haben einen erheblichen Einfluss auf die Rendite. Bei Garantieprodukten lohnt ein besonders genauer Blick, weil für sie keine gesetzliche Kostenobergrenze gilt wie beim Standarddepot.
Welche Gebühren fallen bei Garantieprodukten an?
Typische Kostenbestandteile bei Garantieprodukten:
- Depot- und Verwaltungskosten für Vertragsführung und Zulagenabwicklung
- Laufende Fondskosten für eingesetzte Investmentfonds und ETFs
- Abschluss- und Vertriebskosten für Einrichtung und Vermittlung
Sind Garantieprodukte teurer als Depots ohne Garantie?
Tendenziell ja. Garantien erfordern zusätzliche Sicherungsmaßnahmen und Kapitalreserven, die sich in höheren Verwaltungskosten niederschlagen. Garantieprodukte sind häufig als klassische Versicherungsverträge ausgestaltet und enthalten Abschluss- und Vertriebskosten. Altersvorsorgedepots ohne Garantie liegen näher an den Kostenstrukturen von Fondsdepots.
Die Zahlen zeigen den Effekt eindrücklich. Hier der Abschnitt mit der Auflistung:
Ein Beispiel mit 150 Euro monatlich über 40 Jahre, das sind 72.000 Euro Einzahlung, bei unterschiedlicher Rendite nach Kosten:
- 4,5 Prozent nach Kosten: rund 196.600 Euro
- 4,0 Prozent nach Kosten: rund 174.200 Euro
- 3,5 Prozent nach Kosten: rund 154.600 Euro
- 3,0 Prozent nach Kosten: rund 137.600 Euro
Was kostet das staatliche Standarddepot im Vergleich?
Das Standarddepot hat einen gesetzlichen Kostendeckel von 1,0 Prozent Effektivkosten pro Jahr, der alle laufenden Kosten umfasst. Das Standarddepot dient als kostengünstige Orientierungsgröße, jeder Anbieter muss es verpflichtend anbieten.
Welche Anbieter bieten Altersvorsorgedepots mit Garantie an?
Anbieter eines Altersvorsorgevertrages können laut Gesetz sein:
- Lebensversicherungsunternehmen mit BaFin-Erlaubnis
- Kreditinstitute mit Einlagengeschäft
- Bausparkassen
- Externe Kapitalverwaltungsgesellschaften
Was passiert mit deinem Riester-Vertrag ab 2027?
Bestehende Riester-Verträge behalten, wechseln oder kündigen – die richtige Antwort hängt von der individuellen Situation ab. Eines ist sicher: Kündigen ist fast immer der teuerste Fehler.
Musst du deinen bestehenden Riester-Vertrag kündigen oder wechseln?
Nein. Bestehende Riester-Verträge genießen Bestandsschutz. Der Vertrag läuft zu bisherigen Konditionen weiter – alte Förderregeln, Zulagenhöhen und Steuervorteile bleiben bis zum Beginn der Auszahlungsphase bestehen. Ab 2027 können allerdings keine neuen Riester-Verträge mehr abgeschlossen werden.
Kannst du von Riester in ein Altersvorsorgedepot mit Garantie wechseln?
Ja, das ist möglich. Du kannst dein bereits angespartes Riester-Guthaben förderunschädlich in ein neues Altersvorsorgedepot übertragen lassen. Dein Kapital inklusive der bisher erhaltenen Zulagen wandert dann vom alten in den neuen Vertrag, ohne dass Förderung verloren geht. Der Übertrag läuft direkt zwischen den Anbietern, du musst dich um die Abwicklung nicht selbst kümmern.
Wichtig: Ein solcher Wechsel ist bindend. Ab 2027 gelten für das übertragene Guthaben die neuen Förderregeln des Altersvorsorgedepots, nicht mehr die alten Riester-Regeln. Deshalb solltest du vorher prüfen, ob sich der Wechsel für dich lohnt
Für wen lohnt sich der Wechsel vom alten Riester zum neuen System?
Am stärksten profitieren jüngere Sparer mit langem Anlagehorizont, besonders ohne oder ohne noch zulageberechtigte Kinder. Sie können die Renditechancen der neuen Produkte über viele Jahre nutzen und haben Zeit, etwaige Umstellungskosten wieder hereinzuholen. Auch wer einen alten, teuren Riester-Vertrag mit hoher Garantie und dadurch schwacher Rendite hat, steht im neuen System mit freier Aktienquote und niedrigeren Kosten meist besser da.
Wann solltest du deinen Riester-Vertrag behalten?
Einen gut laufenden Altvertrag solltest du nicht vorschnell aufgeben, nur weil etwas Neues kommt. Das Behalten lohnt sich vor allem in zwei Fällen.
Erstens: Wenn der Vertrag moderate Kosten hat und der Renteneintritt in wenigen Jahren bevorsteht. Dann bleibt für einen Wechsel kaum Zeit, um Vorteile auszuspielen.
Zweitens: Das ist der wichtigere Fall, wenn du mehrere zulagenberechtigte Kinder hast. Bei einem bestehenden Riester-Vertrag reicht schon ein kleiner Eigenbeitrag, um die vollen Grund- und Kinderzulagen zu sichern. Im Altersvorsorgedepot ist die Kinderzulage dagegen an einen deutlich höheren Eigenbeitrag gekoppelt. Solange deine Kinder zulagenberechtigt sind, ist die alte Riester-Förderung in dieser Konstellation oft die günstigere, und du kannst später immer noch ins Depot wechseln.
Kannst du den Anbieter deines Altersvorsorgedepots wechseln?
Die Reform erleichtert den Anbieterwechsel deutlich gegenüber dem bisherigen System.
Fallen beim Anbieterwechsel Kosten oder Nachteile an?
Abschluss- und Vertriebskosten müssen künftig gleichmäßig über die Ansparphase verteilt werden. Nach 5 Jahren ist der Wechsel komplett kostenfrei.
Kannst du auch während der Auszahlungsphase noch wechseln?
Ja, das ist möglich, aber es funktioniert anders als in der Ansparphase. Der Hintergrund ist, dass nicht jeder Anbieter jede Auszahlungsform anbieten kann. Eine lebenslange Leibrente können vor allem Versicherer leisten, weil dahinter die Absicherung des Langlebigkeitsrisikos steht. Ein reiner Depot- oder Bankanbieter bietet dagegen oft nur den Auszahlplan bis 85.
Kannst du vor dem Renteneintritt an dein Geld kommen?
Das Altersvorsorgedepot ist zweckgebunden für den Ruhestand. Vorzeitige Entnahmen sind grundsätzlich möglich – aber hat teure Konsequenzen.
Was passiert bei vorzeitiger Kündigung deines Altersvorsorgedepots?
Eine vorzeitige Kündigung oder Entnahme – mit Ausnahme von bestimmten Ausnahmen – gilt als schädliche Verwendung. Alle staatlichen Zulagen und steuerlichen Vorteile der gesamten Laufzeit müssen vollständig zurückgezahlt werden.
Musst du Förderung und Zulagen zurückzahlen?
Ja, bei förderschädlicher Entnahme müssen alle Förderungen zurückgezahlt werden: Grundzulagen, Kinderzulagen, Berufseinsteigerbonus und die über die Günstigerprüfung gewährten Steuerentlastungen. Kumuliert über viele Jahre ist das ein erheblicher Betrag.
Die einzige Ausnahme bildet die wohnwirtschaftliche Verwendung: Für eine selbst genutzte Immobilie dürfen bis zu 100 % des Guthabens entnommen werden, ohne die Förderung zu verlieren – sofern die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind.
Kannst du dein Altersvorsorgedepot für eine Immobilie nutzen?
Ja. Du kannst gefördertes Kapital aus dem Altersvorsorgedepot für selbstgenutztes Wohneigentum einsetzen, ohne die Förderung zu verlieren. Das ist die zentrale Ausnahme von der Regel, dass vorzeitige Entnahmen förderschädlich sind.
Wie funktioniert die Entnahme fürs Eigenheim?
Förderfähig ist die Entnahme für den Kauf, den Bau oder die energetische Sanierung einer selbstgenutzten Immobilie, ebenso für die Ablösung eines Immobiliendarlehens per Einmalzahlung.
Voraussetzung ist, dass die Immobilie dein Hauptwohnsitz im Europäischen Wirtschaftsraum ist und selbst genutzt wird. Für vermietete Objekte gilt die Förderung nicht.
Die entnommenen Beträge werden auf einem Wohnförderkonto erfasst und in der Auszahlungsphase nachgelagert besteuert. Neu ist, dass dieses Konto ab Rentenbeginn innerhalb von fünf Jahren steuerlich aufgelöst wird. Mehr dazu findest du in unserem Artikel zum Altersvorsorgedepot für die Immobilie.
Wie funktioniert die Auszahlungsphase beim Garantieprodukt?
Die Auszahlungsphase beginnt frühestens mit Vollendung des 65. Lebensjahres und spätestens mit 70. Früher ist ein Start möglich, wenn du bereits eine gesetzliche Rente oder eine Beamtenpension beziehst. Das neue Recht bietet dabei mehr Optionen als das alte Riester-System.
Welche Auszahlungsoptionen hast du ab Rentenbeginn?
Zur Wahl stehen 2 Grundformen:
- Lebenslange Rente: Das Kapital wird in eine lebenslange Leibrente umgewandelt, die bis zum Lebensende gezahlt wird, egal wie alt du wirst. Sie kann klassisch garantiert oder fondsgebunden mit schwankender Höhe ausgestaltet sein.
- Auszahlplan: Das Kapital bleibt investiert und wird in regelmäßigen Raten ausgezahlt, die mindestens bis zum 85. Lebensjahr laufen. Weil der Depotwert schwankt, wird die Höhe regelmäßig neu berechnet.
Zusätzlich kannst du zu Beginn der Auszahlphase bis zu 30 Prozent des Kapitals als Einmalbetrag entnehmen, etwa zur Ablösung von Immobilienschulden. Den Rest gibst du dann in eine der beiden Grundformen.
Bei sehr kleinen Vertragsguthaben, den sogenannten Kleinbetragsrenten, ist unter bestimmten Voraussetzungen auch eine vollständige Einmalauszahlung möglich, ohne förderschädliche Folgen.
Was ist der Unterschied zwischen lebenslanger Rente und Auszahlplan?
Die lebenslange Rente gibt dir Planungssicherheit bis zum Lebensende. Das Langlebigkeitsrisiko – das Risiko, das Kapital zu überleben – überträgt sich auf den Versicherer. Die monatlichen Beträge sind tendenziell niedriger, weil der Versicherer mit langer Bezugsdauer kalkuliert.
Der Auszahlungsplan bietet höhere Beträge in den frühen Ruhestandsjahren, weil das Kapital nur über einen begrenzten Zeitraum verteilt wird. Das Risiko, dass der Plan endet, während du noch lebst, verbleibt bei dir.
Wie funktioniert die Kleinbetragsrente?
Wenn dein angespartes Guthaben am Ende sehr klein ist, wäre auch die monatliche Rente daraus winzig. Für solche Fälle gibt es die Kleinbetragsrente. Liegt die rechnerische Monatsrente unter einer bestimmten Grenze, darf der Anbieter dir das gesamte Guthaben auf einen Schlag auszahlen, statt dir jahrelang Kleinstbeträge zu überweisen. Diese Einmalauszahlung ist ausdrücklich erlaubt und nicht förderschädlich, deine Zulagen bleiben also erhalten.
Die Grenze liegt bei 1,5 Prozent der sogenannten monatlichen Bezugsgröße, einem jährlich angepassten Wert aus der Sozialversicherung. Konkret sind das nach dem Stand von 2026 rund 59 Euro. Das heißt: Käme bei gleichmäßiger Verrentung deines gesamten Guthabens eine Monatsrente von weniger als etwa 59 Euro heraus, kann der Anbieter dich stattdessen mit einer einmaligen Kapitalzahlung abfinden.
Wie werden Rentenzahlungen im AV-Depot mit Garantien besteuert?
In der Auszahlungsphase wird der geförderte Anteil in voller Höhe mit deinem persönlichen Einkommensteuersatz besteuert, egal in welcher Auszahlungsform. Das ist die nachgelagerte Besteuerung: Die Steuer fällt erst im Alter an, wenn dein Steuersatz in der Regel niedriger ist als im Berufsleben.
Für den ungeförderten Anteil, also Beiträge über 1.800 Euro im Jahr, gelten günstigere Regeln. Entscheidend ist dabei nicht der Name der Auszahlung, sondern ihre Art:
Nur die lebenslange Rente läuft über den günstigen Ertragsanteil. Der Auszahlungsplan und die Teilkapitalentnahme werden dagegen über das Halbeinkünfteverfahren besteuert, wie es bei Kapitalauszahlungen üblich ist. Steuerpflichtig ist also die Hälfte der Gewinne, sofern der Vertrag mindestens zwölf Jahre lief und die Auszahlung ab 65 erfolgt.
Was passiert bei Teilentnahmen vor dem Rentenbeginn?
Was passiert mit deinem Guthaben im Todesfall?
Was mit deinem Depot passiert, hängt vor allem davon ab, ob du noch in der Ansparphase bist oder schon in der Auszahlphase. Die beiden Fälle funktionieren unterschiedlich.
Todesfall in der Ansparphase
Stirbst du, während du noch ansparst, fällt das Vertragsguthaben an deine Erben. Ob die Förderung erhalten bleibt, hängt davon ab, wer erbt.
Der wichtigste Fall ist der Ehepartner. Über das sogenannte Ehegattenprivileg kann der überlebende Partner das Guthaben förderunschädlich auf einen eigenen Altersvorsorgevertrag übertragen. Dann bleiben alle Zulagen und Steuervorteile erhalten. Voraussetzung ist, dass die Eheleute zum Zeitpunkt des Todes nicht dauerhaft getrennt lebten und der Wohnsitz in einem EU- oder EWR-Staat liegt.
Todesfall in der Auszahlphase
Hier kommt es auf die gewählte Auszahlungsform an. Bei einem Auszahlplan wird das noch nicht ausgezahlte Restguthaben vererbt. Bei einer lebenslangen Leibrente enden die Zahlungen dagegen grundsätzlich mit dem Tod.
Genau dagegen schützt die Rentengarantiezeit. Das ist eine vertragliche Vereinbarung, die sicherstellt, dass die Rente bei frühem Tod für einen festgelegten Zeitraum weiterläuft, an Ehepartner, Kinder oder andere Begünstigte.
Wie sicher ist dein Geld im Garantieprodukt wirklich?
Ist dein Altersvorsorgedepot vor Pfändung geschützt?
Ja, aber nur der geförderte Teil. Beiträge innerhalb der Fördergrenze, die darauf entfallenden Zulagen und die Erträge daraus sind in der Ansparphase pfändungsgeschützt und fallen nicht in die Insolvenzmasse. Ungeförderte Mehrbeiträge über 1.800 Euro genießen diesen Schutz nicht automatisch.
Wird das Vermögen bei Grundsicherung angerechnet?
In der Ansparphase muss das geförderte Altersvorsorgevermögen bei der Grundsicherung nicht verwertet werden, anders als Tagesgeld oder ein normales Wertpapierdepot. Ungeförderte Mehrbeiträge können dagegen in die Vermögensprüfung einbezogen werden.
Sobald das Depot im Ruhestand regelmäßige Leistungen auszahlt, zählen diese als Einkommen. Wer dann auf Grundsicherung im Alter angewiesen ist, profitiert aber von einem Freibetrag: Von einer zusätzlichen Altersvorsorgerente bleiben 100 Euro im Monat anrechnungsfrei, plus 30 Prozent des darüber liegenden Betrags, bis zu einem Höchstwert von rund 281,50 Euro monatlich nach dem Stand von 2026. Dieser Höchstwert ist an den Regelsatz gekoppelt und kann sich mit dessen Anpassung ändern. Mehr dazu im Ratgeber zum Altersvorsorgedepot und Bürgergeld.
Fazit
Eine Garantie im Altersvorsorgedepot hat ihren Preis. Sie kostet dich doppelt, denn ein Garantieprodukt ist meist teurer und wirft gleichzeitig weniger Rendite ab, weil ein großer Teil des Kapitals sicher und damit renditeschwach angelegt werden muss. Über lange Zeiträume summiert sich dieser Nachteil zu einem hohen fünfstelligen Betrag, der am Ende an Rente fehlt.
Gerade wer noch viele Jahre bis zur Rente hat, sollte deshalb ernsthaft prüfen, ob er auf die Garantie verzichtet. Bei einem langen Anlagehorizont gleichen sich Kursschwankungen in aller Regel aus, und die höheren Renditechancen eines Depots ohne Garantie oder des Standarddepots wiegen den Sicherheitsverzicht meist deutlich auf. Eine Garantie, vor allem die 80-Prozent-Variante, kann dagegen für sicherheitsorientierte Menschen kurz vor der Rente sinnvoll sein, wenn wenig Zeit bleibt, um Rückschläge auszusitzen.
Welche Variante für dich passt, hängt von deinem Anlagehorizont, deiner finanziellen Situation und deinem Sicherheitsbedürfnis ab. Dieser Artikel ersetzt keine individuelle Beratung. Bevor du dich für oder gegen eine Garantie entscheidest oder einen bestehenden Riester-Vertrag anfasst, solltest du deine persönliche Situation mit einem Berater durchrechnen. So stellst du sicher, dass deine Entscheidung wirklich zu dir passt und du keine Förderung oder Rendite verschenkst.
Häufige Fragen
Gibt es eine Garantie für Altersvorsorgedepots?
Ja, aber nur optional. Du kannst ein Altersvorsorgedepot mit einer Beitragsgarantie von 80 oder 100 Prozent abschließen oder bewusst ohne Garantie, dann mit vollen Renditechancen. Die Garantie sichert dir zum Rentenbeginn einen festen Anteil deiner Einzahlungen, kostet aber Rendite, weil ein Teil des Kapitals sicher angelegt werden muss.
Für wen lohnt sich das Altersvorsorgedepot?
Besonders für Familien mit Kindern, für Gutverdiener als geförderter Basisbaustein und für alle, die langfristig in ETFs sparen wollen. Auch erstmals für Selbstständige und Freiberufler, die vorher keinen Zugang zur staatlichen Förderung hatten und so davon profitieren können.
Wie wird die Auszahlung aus einem Altersvorsorgedepot besteuert?
Nachgelagert. In der Ansparphase bleibt alles steuerfrei, besteuert wird erst bei der Auszahlung ab 65. Der geförderte Teil wird voll mit deinem persönlichen Steuersatz besteuert, der im Alter meist niedriger ist. Für Beiträge über 1.800 Euro gelten günstigere Regeln.





