Das Wichtigste vorab
- Die Rürup-Rente (Basisrente) ist eine staatlich geförderte private Altersvorsorge, die 2005 speziell für Selbstständige und Gutverdiener eingeführt wurde – sie gehört zur ersten Schicht der Altersvorsorge.
- 2026 kannst du als Lediger bis zu 30.826 Euro und als Ehepaar bis zu 61.652 Euro jährlich einzahlen und zu 100 % als Sonderausgaben steuerlich absetzen.
- Die Rente fließt lebenslang als monatliche Zahlung – eine Kapitalauszahlung ist gesetzlich ausgeschlossen, und das Geld bleibt bis zum 62. Lebensjahr gebunden.
- Die spätere Rente unterliegt der nachgelagerten Besteuerung: 2026 sind 84 % der Rente steuerpflichtig, ab 2058 dann 100 %.
- Die Rürup-Rente lohnt sich vor allem für Selbstständige und Freiberufler mit stabilem Einkommen über 100.000 Euro und einem Grenzsteuersatz über 35 % – für alle anderen gibt es oft bessere Alternativen.
Wer privat für das Alter vorsorgen will, landet früher oder später bei der Rürup-Rente, auch Basisrente genannt. Doch lohnt sie sich wirklich, oder gibt es bessere Wege der Altersvorsorge? Nach mehr als 3.000 Kundengesprächen wissen wir, worauf es ankommt und zeigen dir, für wen die Rürup-Rente die richtige Altersvorsorge ist, wo die Fallstricke liegen und welche Alternativen du kennen solltest.
Was ist die Rürup-Rente und wie funktioniert sie?
Die Rürup-Rente ist eine private Altersvorsorge mit staatlicher Steuerförderung – und gleichzeitig eine der am häufigsten missverstandenen Vorsorgeformen in Deutschland. Bevor du über Steuervorteile und Renditen nachdenkst, musst du verstehen, wie die Basisrente grundsätzlich aufgebaut ist und worin sie sich von anderen Formen der Altersvorsorge unterscheidet.
Definition und Funktionsweise der Basisrente
Die Rürup-Rente ist eine private Altersvorsorge, die 2005 nach dem Ökonomen Bert Rürup eingeführt wurde. Sie richtet sich in erster Linie an Selbstständige und Freiberufler, die nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, aber auch für gut verdienende Angestellte ist sie ein sinnvoller Baustein. Die Deutsche Rentenversicherung ordnet sie der Basisversorgung zu, auf derselben Ebene wie die gesetzliche Rente.
Anders als die gesetzliche Rentenversicherung, bei der aktuelle Beitragszahler die heutigen Rentner finanzieren (Umlageverfahren), arbeitet die Basisrente nach dem Kapitaldeckungsprinzip: Deine persönlichen Einzahlungen fließen in deinen eigenen Vertrag und bauen dort über Jahrzehnte Kapital für dich auf.
Du setzt deine Beiträge in der Ansparphase als Sonderausgaben von der Steuer ab und senkst damit dein zu versteuerndes Einkommen. Im Gegenzug versteuerst du die spätere Rente im Alter.
Unterschiede zur gesetzlichen Rentenversicherung
Die Rürup-Rente und die gesetzliche Rentenversicherung gehören beide zur ersten Schicht und unterscheiden sich in bestimmten Aspekten stark voneinander.
Du kannst die Rürup-Rente nicht kündigen und dir nichts auszahlen lassen. Die einzige Option bei finanziellen Engpässen ist die Beitragsfreistellung: Du zahlst nichts mehr ein, das vorhandene Kapital bleibt aber bis mindestens 62 gesperrt.
Welche Anlageformen gibt es bei der Rürup-Rente?
Bei der Rürup-Rente stehen drei grundlegend verschiedene Anlageformen zur Wahl, die sich in Rendite, Sicherheit und Kosten erheblich unterscheiden. Die richtige Wahl hängt davon ab, wie viel Risiko du tragen willst und wie lange dein Anlagehorizont noch ist.
Klassische Rentenversicherung mit Garantie
Die klassische Rürup-Rente garantiert dir bei Vertragsabschluss eine feste Mindestverzinsung und einen festen Rentenfaktor. Der Rentenfaktor legt fest, wie viel monatliche Rente du pro 10.000 Euro angespartem Kapital mindestens erhältst. Beides wird einmalig bei Vertragsabschluss festgeschrieben und gilt für die gesamte Laufzeit. Steigen die Zinsen später, profitierst du davon nicht mehr. Fallen die Märkte, spielt das keine Rolle. Du weißt von Anfang an, womit du im Alter mindestens rechnen kannst.
Der Vorteil ist absolute Planungssicherheit. Der Nachteil: Bei niedrigen Zinsphasen fallen auch die Garantien entsprechend mager aus.
Fondsgebundene Rürup-Rente
Bei der fondsgebundenen Basisrente fließt dein Kapital direkt in Investmentfonds oder ETFs. Du verzichtest auf eine Beitragsgarantie, gewinnst dafür aber deutlich höhere Renditechancen durch die Beteiligung am Kapitalmarkt. Bei guten Tarifen wird bereits bei Vertragsabschluss ein garantierter Mindestrentenfaktor festgeschrieben. Der tatsächliche Rentenfaktor zum Rentenbeginn kann höher ausfallen, aber nicht niedriger. Wie viel Rente du monatlich bekommst, hängt also von der Wertentwicklung deines Depots und dem dann geltenden Rentenfaktor ab.
Hybride Rentenversicherung mit Indexpartizipation
Hybrid-Rürup-Renten sind der Mittelweg: Ein Teil deines Kapitals fließt in konservative Anlagen mit Garantie, der andere Teil investiert in Fonds oder partizipiert an einem Aktienindex. Du nimmst also an steigenden Märkten teil, ohne dein gesamtes Kapital zu riskieren. Durch die Sicherheit verlierst du jedoch auch einen Teil der Renditechancen.
Wie sparst du mit der Rürup-Rente Steuern?
Der Steuervorteil ist der Hauptgrund für den Abschluss einer Rürup-Rente. Wie hoch die tatsächliche Ersparnis ausfällt, hängt von deinem persönlichen Einkommen und Steuersatz ab – und von einigen Details, die viele übersehen.
Steuerlich absetzbare Höchstbeträge und deren Entwicklung
2026 kannst du als Lediger maximal 30.826 Euro und als Ehepaar bis zu 61.652 Euro jährlich in die Rürup-Rente einzahlen und zu 100 % steuerlich absetzen. 2025 lag der Höchstbetrag für Ledige noch bei 29.343,60 Euro. Seit 2023 sind die Beiträge vollständig absetzbar.
Berechnung der tatsächlichen Steuerersparnis
Die tatsächliche Steuerersparnis hängt vom persönlichen Grenzsteuersatz ab, dem Steuersatz, den du auf den nächsten verdienten Euro zahlst. Für Selbstständige und Gutverdiener liegt dieser 2026 typischerweise zwischen 42 und 45 Prozent.
Folgende 3 Beispiele sollen etwas mehr Klarheit schaffen
Ein Selbstständiger mit 42 % Grenzsteuersatz zahlt für 10.000 Euro Rürup-Beitrag nur 5.800 Euro aus eigener Tasche – der Rest kommt über die Steuererstattung zurück.
Wie bekomme ich meine Steuerersparnis zurück?
Du gibst deine Rürup-Beiträge in der Steuererklärung in der Anlage Vorsorgeaufwand an. Das Finanzamt berechnet automatisch, wie viel du durch den Sonderausgabenabzug sparst, und erstattet dir die Differenz zur bereits gezahlten Steuer. Einen separaten Antrag musst du nicht stellen.
Dein Versicherer schickt dir jedes Jahr eine Beitragsbescheinigung, die du der Steuererklärung beifügst. Bei 10.000 Euro Beitrag und 42 Prozent Grenzsteuersatz fließen so 4.200 Euro zurück auf dein Konto, typischerweise einige Wochen nach der Veranlagung.
Besonderheiten für Selbstständige und Gesellschafter-Geschäftsführer
Selbstständige und Gesellschafter-Geschäftsführer (GGF) einer GmbH haben einen strukturellen Vorteil: Sie müssen ihre Beiträge nicht mit Beiträgen zur gesetzlichen Rentenversicherung verrechnen, sodass der vollständige Höchstbetrag oft ausgeschöpft werden kann. Zumindest dann nicht, wenn sie von der gesetzlichen Rente befreit sind.
Wie wird die Rürup-Rente im Alter versteuert?
Was die Rürup-Rente in der Ansparphase an Steuervorteilen bringt, holt der Staat im Alter teilweise zurück – durch die nachgelagerte Besteuerung. Wie viel genau, hängt vom Jahr deines Rentenbeginns ab.
Besteuerung der Renteneinkünfte und zeitlicher Verlauf
Wie viel von deiner Rürup-Rente du versteuern musst, richtet sich nach dem Jahr, in dem du zum ersten Mal Rente beziehst – und bleibt dann für den Rest deines Lebens konstant. 2026 musst du 84 % deiner Rürup-Rente mit deinem persönlichen Steuersatz versteuern. Bei 1.000 Euro monatlicher Bruttorente mit Rentenbeginn 2026 sind also 840 Euro steuerpflichtig und 160 Euro steuerfrei.
Eine wichtige Gesetzesänderung vom März 2024 hat die Dynamik verlangsamt: Der Besteuerungsanteil steigt seitdem nur noch um 0,5 % pro Jahr statt wie zuvor um 1 %. Die Konsequenz: Erst ab 2058 ist 100 % der Rürup-Rente steuerpflichtig. Wer früher in Rente geht, profitiert dauerhaft von einem niedrigeren Besteuerungsanteil.
Wie hoch die Steuerlast im Alter ist, haben wir in der folgenden Tabelle einmal aufgezeigt:
Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge im Rentenalter
Ob auf deine Rürup-Rente zusätzlich Krankenversicherungsbeiträge anfallen, hängt entscheidend davon ab, wie du im Alter versichert bist:
- Privat Krankenversicherte zahlen auf die Rürup-Rente keine zusätzlichen Krankenkassenbeiträge. Die PKV-Beiträge bleiben unabhängig von der Rentenhöhe konstant.
- Pflichtversicherte in der KVdR zahlen ebenfalls keine Krankenkassenbeiträge auf die Rürup-Rente (vorausgesetzt, sie waren in der zweiten Hälfte ihres Erwerbslebens zu mindestens 90 % gesetzlich versichert).
- Freiwillig gesetzlich Versicherte müssen auf ihre Rürup-Rente Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge zahlen. Die Rente zählt zum beitragspflichtigen Gesamteinkommen. Wer als Rentner aus mehreren Quellen Einkünfte bezieht und freiwillig gesetzlich versichert ist, muss alle Einkommensquellen zusammenrechnen.
Für wen lohnt sich die Rürup-Rente wirklich?
Die Rürup-Rente ist kein Produkt für alle – sie ist ein Werkzeug für bestimmte Zielgruppen mit bestimmten Voraussetzungen. Ob sich eine Rürup-Rente für dich lohnt hängt von deinem konkreten Profil ab.
Rürup-Rente für Selbstständige und Freiberufler
Für Selbstständige und Freiberufler ist die Rürup-Rente oft die Vorsorgeform mit dem größten Steuervorteil – sie wurde speziell für diese Gruppe konzipiert, da Selbstständige oft nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen.
Bei einem Selbstständigen mit 120.000 Euro Einkommen ergibt sich bei dem maximalen Rürup-Beitrag von 30.826 eine Steuerersparnis von etwa 13.000 Euro pro Jahr.
Bevor man als Selbstständiger in die Rürup-Rente einzahlt, sollten jedoch diese 3 Punkte erfüllt sein:
- Das Geschäft ist etabliert. Neue Gründer sollten sich auf den Unternehmensaufbau konzentrieren, nicht auf Rürup-Einzahlungen. Als frischer Selbstständiger sofort hohe Beiträge zu zahlen, ist riskant, da unerwartete Ausgaben anfallen können.
- Die Liquidität stimmt. Mindestens mehrere Monate Betriebsausgaben sollten als Reserve vorhanden sein, bevor du Rürup-Beiträge zahlst. Das Geld ist bis 62 gebunden – im Notfall kommst du nicht ran.
- Konstant hohe Steuersätze. Weil die Rürup-Rente ihren Hebel in der Steuererstattung hat, ist ein hoher Steuersatz hier erforderlich, um die maximale Förderung zu erhalten.
Rürup-Rente für Angestellte und Beamte
Für Angestellte ist die Rürup-Rente weniger attraktiv als für Selbstständige. Das liegt daran, dass die Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung bereits auf den steuerlich absetzbaren Höchstbetrag angerechnet werden und damit den Spielraum für Rürup-Einzahlungen reduzieren.
Beamte zahlen zwar keine Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung, allerdings werden die Beiträge ins Beamtenversorgungswerk genauso auf den Rürup-Höchstbetrag angerechnet. Bei einer Besoldung von 60.000 Euro werden fiktiv 18,6 Prozent, also rund 11.160 Euro, angerechnet. Vom Höchstbetrag von 30.826 Euro verbleiben damit noch etwa 19.666 Euro für die Rürup-Rente. Das ist immer noch ein erheblicher steuerlicher Spielraum, insbesondere bei hohem Grenzsteuersatz.
Welche Vorteile bietet die Rürup-Rente?
Welche Aspekte gibt es zusätzlich zu den Steuervorteilen bei der Basisrente?
Pfändungsschutz und Insolvenzschutz
Die Rürup-Rente bietet in der Insolvenz Schutz vor dem Zugriff der Gläubiger auf das angesparte Kapital. Das ist ein echter Vorteil gegenüber freien Vermögenswerten wie Bankguthaben oder Depots. Allerdings gilt dieser Schutz in der Ansparphase nur bis zu einem altersabhängigen Freibetrag, nicht unbegrenzt. In der Auszahlungsphase genießen die Rentenzahlungen denselben Pfändungsschutz wie Arbeitseinkommen, also nur oberhalb der gesetzlichen Pfändungsfreigrenzen.
Flexible Beitragszahlungen und Erhöhungsmöglichkeiten
Entgegen ihrem Ruf der absoluten Starre bietet die Rürup-Rente Spielraum bei den Zahlungen. Du kannst Beiträge monatlich, jährlich oder über Sonderzahlungen leisten. Ein Selbstständiger startet beispielsweise mit 500 Euro monatlich und zahlt in einem besonders guten Geschäftsjahr zusätzlich 12.000 Euro als Sonderzahlung ein. Wenn das Geschäft im nächsten Jahr schwächelt, verzichtet man einfach auf die Sonderzahlung oder reduziert den Beitrag.
Wenn das Geschäft hingegen gut läuft, kann man den monatlichen Beitrag auch einfach erhöhen.
Lebenslange Rentenzahlung und finanzielle Sicherheit
Die Rürup-Rente garantiert lebenslange monatliche Rentenzahlungen (egal ob du 80, 90 oder 105 Jahre alt wirst). Das Langlebigkeitsrisiko, also die Gefahr, das eigene Geld zu überleben, ist damit vollständig abgesichert.
Welche Nachteile hat die Rürup-Rente?
Keine Kapitalauszahlung möglich und eingeschränkte Flexibilität
Das Kapital ist ab dem Moment der Einzahlung weg (zumindest bis du frühestens 62 bist). Eine einmalige Kapitalauszahlung ist weder vor noch nach Rentenbeginn möglich.
Vor Rentenbeginn bedeutet das: Dein Geld in der Rürup-Rente ist wie in einem Tresor sicher verpackt, für den du keinen Schlüssel hast. Du kommst frühestens mit 62 an das Geld und auch ausschließlich über eine monatliche Rente.
Nach Rentenbeginn gilt dasselbe: Du erhältst monatlich deine lebenslange Rente. Du kannst nicht statt der nächsten 10 Jahre Rente lieber 100.000 Euro auf einmal fordern. Wer die Basisrente mit 35 Jahren abschließt, bindet sein Geld für mindestens 27 Jahre. Gerade deshalb muss ein Abschluss einer Rürup-Rente gut durchdacht sein
Eingeschränkte Vererbbarkeit und Hinterbliebenenschutz
Die Rürup-Rente ist standardmäßig nicht vererbbar. Stirbst du vor Rentenbeginn, verfällt das gesamte Kapital, es geht an die Versicherungsgesellschaft zurück, nicht an deine Erben. Nur Ehepartner und kindergeldberechtigte Kinder gelten als berechtigte Hinterbliebene, und auch nur mit einer kostenpflichtigen Zusatzversicherung.
Eine Möglichkeit, das Vererbungsproblem teilweise zu lösen, ist die Rentengarantiezeit. Dabei wird eine feste Laufzeit vereinbart, zum Beispiel 10 oder 20 Jahre. Stirbst du innerhalb dieser Zeit nach Rentenbeginn, laufen die Zahlungen bis zum Ende der Garantiezeit an deine Hinterbliebenen weiter.
Auch bei der Rentengarantiezeit sind ausschließlich Ehepartner, eingetragene Lebenspartner und kindergeldberechtigte Kinder bezugsberechtigt.
Wie funktioniert der Hinterbliebenenschutz bei der Rürup-Rente genau?
Du kannst einen Hinterbliebenenschutz als Zusatzversicherung hinzubuchen. Der Zusatzbeitrag darf dabei maximal 50 % des Gesamtbeitrags zur Rürup-Rente ausmachen. Zahlst du also 1.000 Euro monatlich in Rürup ein, kann der Hinterbliebenenschutz höchstens 500 Euro davon beanspruchen.
Im Todesfall gibt es drei Auszahlungsvarianten:
- Ein bestimmter Prozentsatz deiner Hauptrente geht als Hinterbliebenenrente an deinen Ehepartner oder kindergeldberechtigte Kinder.
- Eine Rentengarantiezeit sorgt dafür, dass die Rente für einen festgelegten Zeitraum (etwa 10 oder 20 Jahre) weitergezahlt wird (erst nach Rentenbeginn möglich).
- Bei der Restkapitalverrentung erhalten Hinterbliebene eine Rente, basierend auf dem noch vorhandenen Kapital abzüglich bereits gezahlter Renten.
Ein konkretes Beispiel: Du gehst mit 67 in Rente und vereinbarst eine Rentengarantiezeit von 10 Jahren. Falls du mit 70 stirbst, zahlt die Versicherung die Rente deinem Ehepartner noch bis zu deinem rechnerisch 77. Lebensjahr weiter.
Der Preis dieser Absicherung: Sie reduziert deine eigene Rente um 15 bis 20 %, je nach Variante und Versicherer.
Vererbung und Hinterbliebenenleistungen ohne Zusatzversicherung
Ohne Zusatzversicherung ist eine Vererbung der Rürup-Rente schlicht nicht möglich. Hat jemand mit 60 Jahren 100.000 Euro eingezahlt und stirbt mit 61, verfällt dieses Geld komplett. Es landet dann in der Gemeinschaft der Versicherten.
Welche Zusatzversicherungen sind bei der Rürup-Rente möglich?
Rürup-Verträge lassen sich mit verschiedenen Zusatzbausteinen erweitern. Diese Optionen gibt es neben den Hinterbliebenenleistungen.
Berufsunfähigkeitsversicherung im Rürup-Vertrag
Die Kombination Rürup plus Berufsunfähigkeitsversicherung ist möglich und hat einen konkreten Vorteil: Die BU-Beiträge sind als Teil des Rürup-Vertrags vollständig steuerlich absetzbar, was bei einer separaten BU nicht möglich ist. Außerdem wird bei Berufsunfähigkeit die Rürup-Hauptversicherung beitragsfrei gestellt.
Voraussetzung: Der BU-Anteil darf maximal 50 Prozent des Gesamtbeitrags ausmachen. Ob die Kombi oder eine separate BU die bessere Wahl ist, hängt von deiner individuellen Situation ab und sollte in einer persönlichen Beratung geklärt werden.
Beitragsbefreiung bei Berufsunfähigkeit
Bei vielen Rürup-Anbietern kann eine Beitragsbefreiung als eigenständiger Zusatzbaustein hinzugebucht werden. Wird Berufsunfähigkeit anerkannt, übernimmt der Versicherer die weiteren Beitragszahlungen in die Rürup-Hauptversicherung. Die Versicherung zahlt also weiter deine Altersvorsorge, ohne dass du selbst noch einzahlen musst. Das ist unabhängig davon, ob du eine BU-Zusatzversicherung im selben Vertrag hast oder eine separate BU bei einem anderen Anbieter.
Die genauen Bedingungen, insbesondere ab welchem BU-Grad die Befreiung greift, hängen vom Anbieter und Tarif ab.
Kannst du deinen Rürup-Vertrag wechseln oder kündigen?
Einen Rürup-Vertrag kannst du nicht kündigen. Den Vertrag wechseln kannst du unter Umständen jedoch schon.
Wechsel zu einem anderen Anbieter und Übertragung des Guthabens
Ein Vertragswechsel ist möglich, wenn dein aktueller Anbieter dies in seinen Vertragsbedingungen erlaubt und der neue Anbieter die Übertragung akzeptiert. Das ist jedoch nicht immer der Fall. Viele Versicherer erlauben keinen Wechsel.
Oft bringt es zudem 2 Probleme mit sich:
- Neue Abschlussgebühren beim neuen Versicherer
- Rentenfaktor-Verlust, wenn die Zinsen seit dem alten Vertragsabschluss gesunken sind
Die Alternative zur Kündigung: Beitragsfreistellung
Statt den Vertrag zu kündigen, gibt es jedoch 2 andere Optionen, wenn du etwa aufgrund von finanziellen Problemen die Beiträge nicht, oder nicht in voller Höhe zahlen kannst.
Das erste ist die Beitragsfreistellung. Du schickst eine schriftliche Mitteilung an den Versicherer, dass du keine Beiträge mehr in den Vertrag zahlen möchtest. Diese Option kannst du entweder temporär oder dauerhaft nutzen.
Welche Alternativen zur Rürup-Rente gibt es bei der Altersvorsorge?
Die Rürup-Rente ist nur ein Baustein in der Altersvorsorge. Je nach Situation können andere Vorsorgeformen besser passen, oder als Ergänzung sinnvoll sein.
Betriebliche Altersvorsorge (bAV)
Die betriebliche Altersvorsorge ist für Angestellte oft der einfachste und steuerlich effizienteste Einstieg in die Altersvorsorge. Beiträge bis zu 3.624 Euro jährlich sind sozialabgabenfrei, bis zu 7.248 Euro steuerfrei. Seit 2019 muss der Arbeitgeber bei Neuverträgen mindestens 15 Prozent des umgewandelten Betrags dazugeben. Beim Jobwechsel kann die Mitnahme des Guthabens kompliziert sein, und die Auszahlung im Alter wird voll versteuert und ist krankenversicherungspflichtig.
Für Gesellschafter-Geschäftsführer ist die bAV über eine GmbH besonders attraktiv, weil Beiträge als Betriebsausgaben direkt den Gewinn mindern, statt über den Sonderausgabenabzug zu laufen.
Hier ist es jedoch sehr wichtig, den Vertrag vorher zu prüfen, da der Arbeitgeber sowohl die Höhe der Förderung als auch die Form der Anlage festlegt. So kann es sein, dass bestimmte Verträge nicht lukrativ sind.
Altersvorsorgedepot ab 2027
Ab 2027 steht mit dem Altersvorsorgedepot eine neue geförderte Option zur Verfügung, die erstmals auch für Selbstständige offensteht. Mit bis zu 540 Euro Grundzulage, steuerfreiem Kapitalwachstum und echter ETF-Anlage ohne Garantiezwang ist es flexibler als die Rürup-Rente.
Der Steuerhebel ist bei hohem Einkommen geringer als bei Rürup, dafür ist die Auszahlungsphase deutlich flexibler und das Kapital kann teilweise vererbt werden. Für Selbstständige und Angestellte mit mittlerem Einkommen kann das Altersvorsorgedepot die bessere Wahl sein.
Zudem ist die maximale Höhe der steuerlich absetzbaren Beiträge bei jährlich max. 1.800 Euro (150 Euro pro Monat). Gerade bei Gutverdienern nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.
Private ETF-Rentenversicherung
Die ETF-Rentenversicherung kombiniert ein ETF-Depot beim Broker mit den steuerlichen Vorteilen der Versicherungshülle: Du investierst in ETFs oder Fonds, hast aber anders als beim reinen Depot einen steuerlichen Vorteil. In der Ansparphase fällt keine Abgeltungssteuer an, Umschichtungen zwischen Fonds sind steuerfrei, und in der Auszahlungsphase greift das günstige Ertragsanteilverfahren. Im Gegensatz zur Rürup-Rente gibt es kein Kapitalwahlrecht, du kannst dir also das Guthaben auch als Einmalbetrag auszahlen lassen, und das Kapital ist vererbbar.
Der Nachteil gegenüber der Rürup-Rente ist, dass die Beiträge nicht steuerlich absetzbar sind. Jedoch profitierst du in der Rente dadurch von einer sehr niedrigen Versteuerung.
Wie findest du den besten Rürup-Vertrag für deine Situation?
Die Wahl des richtigen Rürup-Vertrags ist keine Entscheidung, die du nebenbei treffen solltest. Der häufigste Fehler: Menschen schließen den erstbesten Vertrag ab und merken erst Jahre später, dass sie den falschen Tarif gewählt haben.
Diese Fragen solltest du dir vor dem Vertragsabschluss stellen
Bevor du einen Rürup-Vertrag unterschreibst, solltest du dir 4 zentrale Fragen stellen und sie ehrlich beantworten:
- Bin ich die passende Zielgruppe? Selbstständiger oder Gutverdiener mit hohem Einkommen und hohem Steuersatz?
- Wie sieht mein Todesfall-Schutz aus? Habe ich Familie oder Kinder? Brauche ich Hinterbliebenenschutz und bin ich bereit, dafür 15 bis 20 % weniger Rente in Kauf zu nehmen?
- Welche Anlageform passt? klassisch, fondsgebunden oder hybrid?
- Wie wichtig ist mir Flexibilität? Bin bereit, das Geld bis 62 zu binden?
Vergleichskriterien und Auswahlprozess
Wenn du denkst, dass die Rürup-Rente die passende Form der Altersvorsorge ist, dann solltest du diese 4 Punkte bei der Auswahl des richtigen Tarifs beachten:
- Effektivkostenquote: Wie hoch sind die Effektivkosten? Je höher die Kosten sind, desto weniger Rendite macht der Vertrag i.d.R.
- Garantierter Rentenfaktor: Wie hoch ist der Rentenfaktor? Der entscheidet, wie hoch die Rente pro 10.000 Euro Kapital sein wird.
- Fondsauswahl: Sind günstige ETFs verfügbar oder stehen lediglich teure aktiv gemanagte Fonds zur Auswahl?
- Flexibilität: Wie steht es um die Beitragsfreistellung und kann ich den Anbieter wechseln?
Da diese Parameter je nach Lebenssituation unterschiedlich gewichtet werden sollten, ergibt ein individueller Vergleich Sinn.
Fazit
Die Rürup-Rente kann eine sehr sinnvolle Form der Altersvorsorge sein. Jedoch ist sie kein Produkt für jeden. Gerade für Selbstständige und Gutverdiener mit einem Grenzsteuersatz ab 35 Prozent ist sie oft eine gute Möglichkeit, für das Alter vorzusorgen und gleichzeitig Steuern zu sparen.
Der Steuerhebel in der Ansparphase, die Insolvenzfestigkeit und die lebenslange Rentenzahlung machen sie zur soliden Basis, auf der sich weitere Bausteine aufbauen lassen.
