Das Wichtigste vorab
- Der Staat zahlt ab 2027 monatlich 10 Euro für jedes anspruchsberechtigte Kind der Jahrgänge ab 2020, vom vollendeten 6. bis zum vollendeten 18. Lebensjahr, insgesamt bis zu 1.440 Euro. Hierbei ist kein Eigenbeitrag nötig.
- Voraussetzung ist der erste Wohnsitz in Deutschland. Für die Abwicklung wird die Steuer-Identifikationsnummer des Kindes benötigt.
- Das Geld fließt in einen zertifizierten Standarddepot-Vertrag auf den Namen des Kindes. Wird kein Depot eröffnet, legt die Deutsche Bundesbank das Geld kollektiv in globale Aktien an.
- Eltern, Großeltern und Dritte können freiwillig bis zu 6.840 Euro pro Jahr zusätzlich einzahlen.
- Das staatliche Kapital ist bis zum Rentenalter gebunden und darf erst ab 65 als Altersleistung ausgezahlt werden. Die privaten Eigenbeiträge und ihre Erträge lassen sich dagegen nach den vertraglichen Regelungen jederzeit wieder entnehmen. Bei einer Entnahme sind nur die Erträge zu versteuern.
- Die Kosten sind gedeckelt: maximal 1 Prozent Effektivkosten pro Jahr, keine Abschluss- und Vertriebskosten bis zur Volljährigkeit.
- Die Erträge bleiben in der Ansparphase steuerfrei, besteuert wird erst die spätere Auszahlung.
Ab 2027 zahlt der Staat monatlich zehn Euro für jedes anspruchsberechtigte Kind der Jahrgänge ab 2020, ohne dass du einen Cent dazugeben musst. Zehn Euro im Monat klingen nach wenig, können aber durch den Zinseszinseffekt über Jahrzehnte zu einem echten Altersvorsorge-Baustein heranwachsen. Dieser Ratgeber erklärt, wie die Frühstartrente funktioniert, was du tun musst und wo die Stolperfallen liegen.
Stand der Dinge: Der Bundestag hat das Gesetz am 16. Oktober 2026 beschlossen. Die abschließende Zustimmung des Bundesrates, Ausfertigung und Verkündung stehen noch aus. Der Start ist für den 1. Januar 2027 geplant.
Was ist die Frühstartrente?
Die Frühstartrente ist eine staatlich finanzierte, kapitalgedeckte private Altersvorsorge speziell für Kinder. Kapitalgedeckt bedeutet: Es wird echtes Kapital am Kapitalmarkt aufgebaut, nicht wie bei der gesetzlichen Rentenversicherung im Umlageverfahren, bei dem heutige Beitragszahler die Renten heutiger Rentner finanzieren.
Der Bund zahlt monatlich 10 Euro entweder in einen zertifizierten Standarddepot-Vertrag auf den Namen des Kindes oder in eine kollektive Auffanglösung, die von der Deutschen Bundesbank verwaltet wird.
Mit der Frühstartrente will der Staat Kinder früh an den Kapitalmarkt heranführen und finanzielle Kompetenz fördern. Der lange Anlagehorizont von bis zu 60 Jahren ist dabei der eigentliche Hebel, denn über so einen Zeitraum wirkt der Zinseszins am stärksten.
Wann startet die Frühstartrente 2027?
Die Frühstartrente startet zum 1. Januar 2027. Die Einführung erfolgt jahrgangsweise: Den Anfang macht der Geburtsjahrgang 2020, für den die Förderung sogar rückwirkend ab 2026 gutgeschrieben wird. Danach kommt jedes Jahr der Jahrgang hinzu, der sechs Jahre alt wird.
Für wen ist die Frühstartrente gedacht?
Anspruch auf die Frühstartrente haben Kinder, die vier Voraussetzungen gleichzeitig erfüllen. Fehlt eine davon, gibt es keine staatliche Förderung.
- Das Kind hat das 6. Lebensjahr vollendet.
- Das Kind hat das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet.
- Das Kind ist mit seinem ersten Wohnsitz in Deutschland gemeldet.
- Das Kind gehört zum Geburtsjahrgang 2020 oder später.
Maßgeblich ist der erste Wohnsitz des Kindes in Deutschland, nicht der Wohnsitz der Eltern. Entscheidend ist also, wo das Kind gemeldet ist. Ein Besuch einer deutschen Bildungseinrichtung ist nach der Bundestagsfassung nicht erforderlich. Für die automatisierte Prüfung wird die steuerliche Identifikationsnummer des Kindes benötigt.
Ab wann können Kinder die Frühstartrente bekommen?
Der Anspruch beginnt mit Vollendung des 6. Lebensjahres und endet spätestens mit Ablauf des Monats vor Vollendung des 18. Lebensjahres. Daraus ergeben sich grundsätzlich 144 Monatsbeträge, also zwölf volle Förderjahre.
Für Kinder, die am 1. Januar 2020 geboren wurden, enthält die Bundestagsfassung eine Sonderregelung: Sie sollen im Januar 2026 einmalig 20 Euro erhalten, damit auch sie auf zwölf volle Förderjahre kommen. Ohne diese Regelung hätten sie ein Jahr weniger Förderung erhalten als spätere Jahrgänge. Die Förderung setzt automatisch ein, sobald ein zertifizierter Vertrag vorliegt oder das Kind in der kollektiven Auffanglösung erfasst wird. Ein gesonderter Förderantrag ist grundsätzlich nicht erforderlich.
Welche Jahrgänge haben Anspruch auf die Förderung?
Zum Start 2027 erhalten die Geburtsjahrgänge 2020 und 2021 die Förderung. Für den Jahrgang 2020 wird die Förderung für das Jahr 2026 rückwirkend gewährt. Danach wird jährlich der jeweils sechsjährige Jahrgang neu einbezogen.
Kinder der Jahrgänge 2019 oder älter fallen komplett durch das Raster. Die Erweiterung folgt einem simplen Prinzip: Kalenderjahr minus sechs Jahre ergibt den jeweils neuen Jahrgang.
Wie funktioniert die Frühstartrente genau?
Das Grundprinzip ist einfach: Der Bund zahlt zehn Euro für jeden anspruchsberechtigten Monat, ohne dass du als Elternteil einen verpflichtenden Eigenbeitrag leisten musst. Wie das Geld angelegt wird, hängt davon ab, ob du ein individuelles Depot eröffnest oder nicht.
Wie viel zahlt der Staat monatlich?
Der Förderbetrag liegt bei exakt zehn Euro pro anspruchsberechtigtem Monat. Dein Einkommen oder Vermögen spielt keine Rolle, ob das Haushaltseinkommen bei 30.000 Euro oder 300.000 Euro liegt, ändert nichts am Zuschuss.
Bei zwölf vollständigen Förderjahren ergeben sich 120 Euro pro Jahr, also insgesamt 1.440 Euro staatliche Einzahlungen. Die Wertentwicklung des Depots kommt zusätzlich hinzu, kann aber je nach Kapitalmarktentwicklung positiv oder negativ sein. Die Förderung wird automatisch beantragt, sobald ein zertifizierter Vertrag vorliegt. Ein gesonderter Antrag oder Formulare sind nicht erforderlich.
Muss ich als Elternteil ein Depot eröffnen?
Nein. Die Förderung bleibt grundsätzlich auch ohne eigenen Vertrag erhalten. Eröffnest du kein Depot, führt der Bund die zehn Euro automatisch einer kollektiven Kapitalanlage zu, die von der Deutschen Bundesbank verwaltet wird, einem breit gestreuten globalen Aktienportfolio.
Aktiv werden musst du nur, wenn du die Förderung lieber bei einem Anbieter deiner Wahl anlegen und die Wertentwicklung direkt verfolgen möchtest. Dann eröffnest du einen zertifizierten Standarddepot-Vertrag auf den Namen des Kindes. Ein normales Junior-Depot, ein bestehendes Kinderdepot oder dein eigenes Depot genügen dafür nicht. Es muss ein speziell für das neue Fördersystem zugelassener, vom Bundeszentralamt für Steuern zertifizierter Vertrag sein. Bei der Eröffnung gibst du die steuerliche Identifikationsnummer des Kindes an, der Anbieter beantragt die Förderung dann automatisiert.
Was passiert, wenn ich kein Depot eröffne?
Die Förderung geht nicht verloren. Der Bund führt die zehn Euro monatlich einer kollektiven Kapitalanlage zu, einer Auffanglösung, die von der Deutschen Bundesbank verwaltet wird. Das Sondervermögen „Frühstartrente" soll zum 1. Januar 2028 errichtet werden, sodass du zunächst Zeit hast, einen individuellen Vertrag abzuschließen. Die Anlage in der Auffanglösung erfolgt gebündelt für einen Geburtsjahrgang. Private Zuzahlungen in diese Sammelanlage sind nicht möglich.
Eröffnest du später ein zertifiziertes individuelles Depot, wird das dem Kind zustehende Startkapital einschließlich der anteiligen Erträge automatisch dorthin übertragen. Der Abruf ist auch nach dem 18. Geburtstag möglich, spätestens jedoch bis zur Vollendung des 35. Lebensjahres.
Wie wird das Geld am Kapitalmarkt angelegt?
Die Anlage unterscheidet sich, je nachdem, ob du ein individuelles Depot oder die kollektive Auffanglösung nutzt.
Kann ich zusätzlich Geld in die Frühstartrente einzahlen?
Ja, Zuzahlungen sind ausdrücklich möglich und erwünscht. Du, die Großeltern, das Kind selbst oder andere Personen können freiwillig zusätzliche Beiträge in den individuellen Vertrag einzahlen. Für die staatlichen 10 Euro ist ein Eigenbeitrag ausdrücklich nicht erforderlich. In die kollektive Auffanglösung können allerdings keine privaten Beiträge eingezahlt werden.
Wie viel kann ich als Eigenbeitrag maximal in die Frühstartrente meines Kindes oder Enkels investieren?
Private Zuzahlungen sind auf insgesamt 6.840 Euro pro Kalenderjahr begrenzt. Die staatliche Frühstartrente, ihre Erträge und übertragenes Startkapital zählen nicht gegen diese Jahresgrenze. Die Eigenbeiträge kannst du monatlich, einmalig oder unregelmäßig leisten, solange die Jahressumme von 6.840 Euro eingehalten wird.
Welche steuerlichen Vorteile habe ich durch Eigenbeiträge?
Die Möglichkeit, bis zu 6.840 Euro einzuzahlen, bedeutet nicht automatisch, dass du diesen Betrag auch als Sonderausgaben absetzen kannst. Beiträge von dir, den Großeltern oder anderen Dritten lassen sich nicht als eigene Sonderausgaben abziehen. Ein Sonderausgabenabzug kommt nur in Betracht, wenn das Kind selbst förderberechtigt ist und eigene Beiträge leistet, zum Beispiel als rentenversicherungspflichtiger Auszubildender.
Der eigentliche steuerliche Vorteil liegt in der Steuerstundung während der Ansparphase: Erträge werden nicht laufend besteuert, das gesamte Kapital kann weiterarbeiten und der Zinseszinseffekt wird gestärkt. In einem normalen Depot fällt dagegen jährlich Abgeltungsteuer auf die Erträge an. In der Auszahlungsphase wird dann nachgelagert besteuert.
Welche Kosten und Risiken gibt es?
Die Frühstartrente ist kostengünstig gestaltet, aber nicht kostenlos. Die Anlage am Kapitalmarkt bringt neben Chancen auch reale Risiken mit sich, die du kennen solltest, bevor du dich für oder gegen zusätzliche Einzahlungen entscheidest.
Welche Gebühren fallen beim Altersvorsorgedepot an?
Für das Standarddepot gilt ein gesetzlicher Kostendeckel von maximal 1 Prozent Effektivkosten pro Jahr. Die Effektivkosten zeigen an, um wie viele Prozentpunkte die jährliche Rendite durch sämtliche Kosten sinkt, also durch Depotgebühren, Verwaltung und die Kosten der enthaltenen Fonds zusammen. Dieser eine Prozent ist eine Obergrenze, kein fester Wert. Günstige Anbieter mit kostengünstigen ETFs liegen oft deutlich darunter, während teurere Anbieter den Deckel ausschöpfen.
Für freiwillige private Eigenbeiträge gilt dieses umfassende Kostenverbot dagegen nicht. Wie stark schon kleine Kostenunterschiede über Jahrzehnte wirken, zeigt ein Beispiel:
Legt man die staatliche Sparrate von 10 Euro im Monat über die volle Laufzeit an, bei 7 Prozent Rendite vor Kosten, stehen am Ende rund 48.200 Euro bei 0,2 Prozent Effektivkosten.
Wenn man hingegen die vollen 1 Prozent Effektivkosten hat, kommen nur rund 32.200 Euro raus. Allein die Kosten machen hier also rund 16.000 Euro Unterschied.
Genau hier lohnt sich der Vergleich.
Welche Risiken hat die Anlage am Kapitalmarkt?
Die Anlage am Kapitalmarkt bietet langfristig attraktive Renditechancen, bringt aber reale Risiken mit sich. Aktien-ETFs (also börsengehandelte Fonds, die einen Index abbilden) unterliegen einem Marktpreisrisiko und können starke Kursschwankungen mit sich bringen.
Breite Diversifikation reduziert das Risiko einzelner Titel, schützt aber nicht vor einem allgemeinen Abschwung der gesamten Anlageklasse.
- Kursschwankungen: ETFs und Aktienfonds können zeitweise erheblich an Wert verlieren.
- Verlustrisiko: Auch bei langer Laufzeit sind Verluste nicht vollständig ausgeschlossen.
- Kostenrisiko: Höhere laufende Effektivkosten mindern den Zinseszinseffekt dauerhaft.
- Inflationsrisiko: Hohe nominale Beträge in 50 oder 60 Jahren können deutlich weniger Kaufkraft besitzen.
- Steuer- und Rechtsänderungsrisiko: Über mehrere Jahrzehnte können sich Steuerrecht und Altersvorsorgeregeln ändern.
- Ablaufmanagementrisiko: Starke Kursverluste kurz vor der Auszahlung können besonders problematisch sein.
Die Bundestagsfassung schließt einen Verlustausgleich durch den Bund ausdrücklich aus. Weder Anbieter noch Staat garantieren einen bestimmten Depotwert.
Das Standarddepot sieht grundsätzlich eine schrittweise Umschichtung in den risikoärmeren Fonds vor, um das Ablaufmanagementrisiko zu reduzieren, vollständig absichern lässt sich dieses Risiko damit allerdings nicht.
Entscheidend ist aber der lange Zeithorizont. Bei der Frühstartrente läuft das Geld über Jahrzehnte, und über so lange Zeiträume gleichen sich auch heftige Kurseinbrüche historisch immer wieder aus. Zwischenzeitliche Verluste von 30 oder 40 Prozent sind dabei nicht ausgeschlossen, sie gehören zum Aktienmarkt dazu.
Was passiert mit der Frühstartrente nach dem 18. Geburtstag?
Die staatliche Förderung von 10 Euro im Monat läuft vom 6. bis zum 18. Lebensjahr. Sie endet mit dem Monat vor deinem 18. Geburtstag, unabhängig davon, ob du zur Schule gehst, studierst, eine Ausbildung machst oder arbeitest. Der Anspruch hängt allein an deinem Alter und deinem ersten Wohnsitz in Deutschland, nicht an deinem Beschäftigungsstatus. Auch mit 17 in der Ausbildung bekommst du die 10 Euro also ganz normal weiter.
Mit der Volljährigkeit endet aber nur die Kinderförderung, nicht das Depot selbst. Das angesparte Kapital aus den staatlichen Beiträgen, den Erträgen und möglichen Zuzahlungen bleibt vollständig erhalten. Das Depot geht nahtlos in ein reguläres Altersvorsorgedepot über, das du nun selbst weiterführen kannst.
Wie funktioniert der Übergang ins normale Altersvorsorgedepot?
An deinen bisherigen Anbieter bist du nicht gebunden. Mit 18 kannst du dein Depot zu einem Anbieter deiner Wahl mitnehmen, zum Beispiel, weil du bessere Konditionen oder eine größere Fondsauswahl möchtest. Der Wechsel ist förderunschädlich, deine bisherigen staatlichen Beiträge und Erträge gehen also nicht verloren, sondern wandern mit.
Praktisch läuft das über den neuen Anbieter: Du beauftragst ihn, und er kümmert sich um die Übertragung vom alten Anbieter. Du musst dich um nichts weiter kümmern.
Welche Förderungen erhalte ich, wenn ich meine Frühstartrente dann im Altersvorsorgedepot übertrage?
Nach dem Wechsel kannst du eigene Beiträge einzahlen und, sofern du förderberechtigt bist, die regulären Zulagen des Altersvorsorgedepots beantragen.
Diese bestehen aus:
- Grundzulage von bis zu 540 Euro im Jahr.
- Kinderbonus von 300 € je Kind.
- Berufseinsteigerbonus von 200 Euro. (Bei Abschluss vor dem 25. Lebensjahr)
Wie werden die Erträge später versteuert?
In der Ansparphase fallen keine Steuern auf Erträge und Kursgewinne an. Das ganze Kapital bleibt investiert und wächst durch den Zinseszins ungebremst weiter. Versteuert wird erst, wenn das Geld im Alter ausgezahlt wird. Das funktioniert genauso wie beim normalen Altersvorsorgedepot, in das die Frühstartrente mit 18 ohnehin übergeht.
Die geförderten Beiträge werden bei der Auszahlung als Rente mit deinem persönlichen Steuersatz besteuert, der im Ruhestand meist niedriger ist. Bei freiwilligen Eigenbeiträgen, die über die Förderung hinausgehen, zahlst du dagegen nur auf die Gewinne Steuern, nicht auf das selbst eingezahlte Geld.
Lohnt sich die Frühstartrente für mein Kind?
Die kostenlose staatliche Förderung solltest du grundsätzlich mitnehmen. Du musst kein eigenes Geld einzahlen, und die Förderung geht auch dann nicht unmittelbar verloren, wenn du kein individuelles Depot eröffnest. Ob sich darüber hinaus hohe freiwillige Zuzahlungen in die Frühstartrente lohnen, hängt von mehreren Faktoren ab.
- Kosten des konkreten Standarddepots
- Anlageaufteilung und Risikobereitschaft
- Länge des Anlagezeitraums
- Bedarf an frei verfügbarem Geld für Studium, Ausbildung oder erste Wohnung
- Steuerliche Situation
Für den reinen Altersvorsorgezweck ist die Steuerstundung attraktiv. Für mittelfristige Ziele ist die Frühstartrente wegen der Zweckbindung des staatlichen Kapitals ungeeignet.
Wie viel Vermögen kann durch die staatliche Förderung entstehen?
Mit einer Wertentwicklung von 7 Prozent pro Jahr nach Kosten, einer Inflation von 2 Prozent und keiner weiteren Einzahlung nach dem 18. Geburtstag sehen die Zahlen wie folgt aus.
Genau deshalb lohnt es sich, so früh wie möglich zu starten. Jedes Jahr, das ein Kind früher im Markt ist, wirkt am Ende überproportional, weil der Zinseszins die meiste Kraft in den letzten Jahren entfaltet. Kein späterer, höherer Sparbeitrag kann diesen Zeitvorsprung wieder aufholen. Die Frühstartrente nimmt Familien dabei die erste Hürde ab, denn der Staat legt den Grundstein, und jede freiwillige Zuzahlung verstärkt den Effekt zusätzlich
Wie kommt mein Kind später an das Geld?
Die Frühstartrente ist nicht für den schnellen Zugriff gemacht. Das staatliche Kapital bleibt grundsätzlich bis mindestens zum 65. Geburtstag gebunden. Danach gibt es klare Auszahlungsoptionen, aber auch Einschränkungen.
Wann wird die Frühstartrente ausgezahlt?
Die reguläre Auszahlungsphase beginnt frühestens mit Vollendung des 65. Lebensjahres und muss nach den allgemeinen Regeln normalerweise spätestens mit 70 starten. Ein früherer Rentenbeginn kann möglich sein, wenn bereits vor 65 eine gesetzliche Altersrente oder eine entsprechende Beamten- bzw. Soldatenversorgung bezogen wird. Als Auszahlungsformen sind vorgesehen:
- Lebenslange Leibrente, also eine monatliche Rente bis zum Lebensende
- Auszahlungsplan, mindestens bis zum 85. Lebensjahr
Welche Sperrfristen gelten für das angesparte Kapital?
Hier muss man zwei Töpfe unterscheiden. Die 10 Euro vom Staat samt ihren Erträgen sind fest für die Altersvorsorge gebunden. An dieses Geld kommst du vor der Rente nicht heran, die einzige Ausnahme ist die Verwendung für selbstgenutztes Wohneigentum. Zusätzlich ist dieses staatliche Kapital nicht pfändbar, nicht veräußerbar und nicht beleihbar, also auch vor Gläubigern geschützt.
Deine freiwilligen Eigenbeiträge sind dagegen flexibler. An die kommt man grundsätzlich jederzeit wieder heran, versteuert wird bei einer Entnahme nur der Gewinnanteil.
Spätestens mit 18 geht das Depot in ein reguläres Altersvorsorgedepot über. Ab da gelten die Regeln des AV-Depots.
Welche Nachteile hat die Frühstartrente?
Die Frühstartrente ist ein guter Anfang, aber kein perfektes Produkt. Vor der Entscheidung für hohe private Zuzahlungen solltest du diese Nachteile kennen.
- Nur zehn Euro monatlich: Der Zuschuss allein ersetzt keine umfassende Altersvorsorge.
- Ausschluss älterer Kinder: Jahrgänge 2019 und älter gehen leer aus.
- Extrem lange Bindung: Das staatliche Kapital ist grundsätzlich bis mindestens 65 blockiert.
- Kein Kapitalschutz: Es gibt keine Garantie auf Einzahlungen oder Rendite.
- Komplexer Übergang bei der Auffanglösung: Wer kein individuelles Depot besitzt, muss das Startkapital spätestens bis 35 in einen zertifizierten Vertrag übertragen, sonst fließt das Geld zurück an den Staat.
- Steuer nur aufgeschoben: Die nachgelagerte Besteuerung ist kein Steuererlass, sondern eine Verschiebung.
Welche Alternativen gibt es zur Frühstartrente?
Frühstartrente und flexible Sparprodukte schließen sich nicht aus. Weil die staatlichen zehn Euro ohne Eigenbeitrag fließen, ist eine Kombination meist sinnvoller als ein vollständiges Entweder-oder. Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Alternativen im direkten Vergleich.
Ist ein ETF-Sparplan ohne staatliche Förderung besser?
Für frei verfügbare private Beiträge kann ein gewöhnlicher, kostengünstiger Welt-ETF-Sparplan besser geeignet sein, wenn du das Geld bereits vor dem Ruhestand benötigen könntest. Die Sparrate lässt sich jederzeit ändern oder aussetzen, man kann grundsätzlich jederzeit verkaufen. Zudem gibt es keine Zweckbindung bis Alter 65. Dafür fehlen die staatlichen zehn Euro und die vollständige Steuerstundung innerhalb des zertifizierten Altersvorsorgevertrags.
Lohnt sich ein Junior-Depot als Alternative?
Ein Junior-Depot lohnt sich, wenn das Geld am Ende wirklich dem Kind gehören soll. Du verwaltest es treuhänderisch bis zur Volljährigkeit, danach kann dein Kind frei darüber verfügen. Der Vorteil ist, dass du die eigenen Steuerfreibeträge des Kindes nutzen kannst.
Die Kehrseite: Das Kapital gehört unwiderruflich dem Kind. Mit 18 kann es frei darüber bestimmen, egal ob für ein Studium oder ein Auto, und das Depot kann sich auf BAföG oder Unterhalt auswirken. Ein Junior-Depot passt also vor allem als bewusste, langfristige Schenkung an das Kind, dann aber ohne die staatliche Förderung der Frühstartrente.
Sind Tagesgeldkonto oder Festgeld sinnvolle Optionen?
In der Regel nein, zumindest nicht für den langfristigen Vermögensaufbau. Das Geld liegt hier sicher, arbeitet aber nicht am Kapitalmarkt, und oft liegt die Verzinsung unter der Inflation. Dann verliert das Guthaben real an Kaufkraft. Wenn du 12 oder sogar 18 Jahre Zeit hast, das Geld fürs Kind anzulegen, gibt es deutlich renditestärkere Optionen.
Ihren Platz haben Tagesgeld und Festgeld trotzdem, nämlich für die Notreserve und kurzfristige Sparziele. Als Ersatz für eine breit gestreute Kapitalmarktanlage über Jahrzehnte taugen sie aber nicht.
Kommt eine ETF-Kinder-Rentenversicherung für Kinder infrage?
Ja, für den langfristigen Vermögensaufbau kann sie sehr sinnvoll sein. Sie läuft auf den Namen des Kindes und verbindet die Renditechancen breit gestreuter ETFs mit den Steuervorteilen des Versicherungsmantels. In der Ansparphase wächst das Kapital steuergestundet, Erträge und Umschichtungen lösen also keine laufende Besteuerung aus, und der Zinseszins wirkt über die vielen Jahre voll.
Der größte Pluspunkt kommt bei der Auszahlung. Bei einer lebenslangen Rente wird nur der niedrige Ertragsanteil besteuert oder bei einer kompletten Auszahlung nur die Hälfte der Gewinne. In beiden Fällen ist die Steuerlast meist deutlich niedriger als die Abgeltungsteuer im freien Depot. Der einzige echte Nachteil gegenüber der Frühstartrente ist die fehlende staatliche Förderung, dafür ist man flexibler.
Welche Anbieter bieten die Frühstartrente an?
Aktuell noch keiner. Vor dem offiziellen Start am 1. Januar 2027 kann kein Vertrag rechtswirksam abgeschlossen werden, und die Anbieter brauchen dafür erst eine Zertifizierung durch das Bundeszentralamt für Steuern.
Anbieten werden die Frühstartrente voraussichtlich dieselben Anbieter, die auch das Altersvorsorgedepot führen dürfen:
- Banken
- Sparkassen
- Neobroker
- Versicherungen.
Sollte ich mit der Altersvorsorge für mein Kind schon jetzt beginnen?
Ja, auch wenn du die Frühstartrente selbst erst ab 2027 abschließen kannst. Vorher lohnt es sich, ein paar Dinge zu klären.
Sinnvoll ist zum Beispiel, zuerst eine kleine Reserve auf Tagesgeld aufzubauen, bevor Geld langfristig gebunden wird.
Dann solltest du für dich trennen, was reine Altersvorsorge fürs Kind sein soll und was eher für Ausbildung oder Studium gedacht ist, denn das eine ist bis zur Rente gebunden, das andere soll flexibel bleiben.
Für den flexiblen Teil kannst du schon heute einen kostengünstigen, weltweit gestreuten ETF-Sparplan starten, entweder auf deinen Namen oder auf den des Kindes. Die Frühstartrente nimmst du dann ab 2027 zusätzlich mit, allein schon wegen der geschenkten 10 Euro im Monat.
Fazit
Die Frühstartrente ist ein sinnvoller Baustein, weil jedes anspruchsberechtigte Kind ohne eigenen Beitrag rund 1.440 Euro vom Staat erhält, aus denen über den langen Anlagehorizont ein spürbares Kapital werden kann. Mehr als ein Baustein ist sie aber nicht. 10 Euro im Monat allein reichen nicht, um die spätere Rentenlücke eines Kindes zu schließen, ebenso wenig wie die gesetzliche Rente das tun wird. Entscheidend ist ein durchdachtes Gesamtkonzept, nicht ein schnell abgeschlossenes Einzelprodukt.
Ebenso wichtig ist die Reihenfolge, die in der Praxis oft falsch gesetzt wird: Die eigene Altersvorsorge kommt zuerst. Ein gut gefülltes Depot für das Kind nützt wenig, wenn man im Alter selbst knapp ist und am Ende womöglich auf dessen Vermögen angewiesen wäre. Erst wenn die eigene Vorsorge steht, ergibt das Sparen für das Kind wirklich Sinn.
Gerade deshalb ist eine Beratung sinnvoll, in der die gesamte Situation betrachtet wird, die eigene Vorsorge, die des Kindes und das Zusammenspiel aus beidem. Altersvorsorge ist nichts, was man einmal schnell abschließt, sondern etwas, das klug aufeinander abgestimmt werden sollte.
Häufige Fragen
Was ist die Frühstart-Rente?
Die Frühstartrente ist eine staatlich finanzierte, kapitalgedeckte private Altersvorsorge für Kinder. Ab 2027 zahlt der Staat für jedes anspruchsberechtigte Kind ab Jahrgang 2020 vom 6. bis zum 18. Lebensjahr monatlich 10 Euro ein, insgesamt bis zu 1.440 Euro, ohne dass Eltern einen Eigenbeitrag leisten müssen.
Gibt es eine Förderung für ETFs?
Ja, ab 2027 über die Frühstartrente und das Altersvorsorgedepot. Bei der Frühstartrente zahlt der Staat 10 Euro im Monat in ein Standarddepot, das meist auf einen weltweiten Aktien-ETF setzt. Im Altersvorsorgedepot gibt es unter anderem eine Grundzulage von bis zu 540 Euro im Jahr. Ein normaler ETF-Sparplan wird dagegen nicht staatlich gefördert.






